Keine Sorge, es handelt sich hier "nur" um den Nachruf auf ein Meerschwein, wer also kein Fan der kleinen possierlichen Tierchen ist, kann diesen Post getrost überspringen. Wer aber weiß, wie weh es tut ein geliebtes Haustier zu verlieren, der möge weiterlesen ...
Dass Fines Lebenszeit begrenzt war wußte ich schon seit letztem März, kurz nachdem schon mein anderes Meerschwein Coco gestorben war. Eigentlich sollte Fine kurz darauf an ihren Eierstockzysten operiert werden, bei der OP entdeckte der Tierarzt aber einen großen Lymphknoten an ihrem Darm - vereinbar mit einer Leukose. Das ist eine Virusinfektion die überall im Körper Lyphknotenschwellungen hervorrufen kann und die Abwehrkräfte extrem schwächt. Unter diesen Umständen wurde die OP abgebrochen. Der dicke Lymphknoten saß so ungünstig dass er über kurz oder lang eine Darmverschluß verursachen würde und ich sie einschläfern lassen müßte. Das war natürlich wie ein Schlag ins Gesicht, und die Tage nach der OP waren nicht besser, denn ihre Hinterbeine waren gelähmt und sie wollte nicht fressen, so dass ich sie aller 3 Stunden mit einer Spritze füttern mußte, eine echte Quälerei für uns beide (s.
hier)! Besonders schlimm auch da sie in dieser Zeit als "Gruppentier" alleine war. Schon damals rechnete ich mit dem Schlimmsten, besonders als sie dann auch noch eine Wundheilungsstörung hatte und sich ständig ihre OP-Wunde aufknabberte und diese durch eine Infektion bedingt einfach nicht heilen wollte. Am Ende siegte ihre Kämpfernatur und meine Ausdauer, so dass sie wieder aufmüpfig und quirlig wie vorher wurde. Eine kleine Fehlstellung der Beine blieb zurück, die sie aber nicht daran hinderte im Käfig in einem Affenzahn hin und her zu sausen. Als Robert und ich im Juli zusammenzogen, gab es auch unter unseren Meerschweinchen eine Familienzusammenführung, und die drei konnten dann im September sogar in einen neuen geräumigen Käfig umziehen. Schnell zeigte sich dass Fine auch unter den neuen Schweinen der Boss war, und falls sich ein anderes erdreistete zuerst zum frischen Grünfutter zu stürmen, gab es auch schon mal einen Stups ...
Bereits im Juli war uns dann klar dass es dem Ende entgegenging. Fine verlor immer mehr an Gewicht und wurde auch immer wählerischer was ihr Futter anging. Trotzdem bettelte sie ständig und hängte sich so über die Brüstung des Käfigs, dass sie fast herausfiel - aber meistens bleib das Gemüse nach ein paar Bissen liegen und es wurde wieder mit großen Knopfaugen in unsere Richtung geblickt. Das brach uns manchmal das Herz. Das einzige was sie noch gern fraß waren ihre Leckerli, mit welchen wir sonst eigentlich immer sparsam waren. In dieser Zeit kauften wir Massen davon um ihr wenigstens etwas füttern zu können, in unserm Kühlschrank häuften sich "Delikatessen" wie Dill, frische Petersilie, Cocktailtomaten oder Fenchel. Regelmäßig wurde sie aus dem Käfig genommen und zum Fressen extra gesetzt, damit ihr die anderen nicht alles wegfutterten - sie hatte einfach keine Kraft mehr sich zu wehren. Der Tumor in ihrem Bauch war inzwischen so groß geworden dass man ihn deutlich tasten konnte - er hatte fast Eiergröße, und das Schweinchen bestand nur noch aus Haut und Knochen ... Ich dachte immer öfter daran sie zum Tierarzt zum Einschläfern zu bringen, konnte mich aber nicht dazu durchringen. Ich wollte ihr einfach die Strapazen des Transportes und die sterile und fremde Umgebung ersparen. Außerdem hatte ich immer den Eindruck, dass sie bleiben wollte, da sie ständig die Nähe zu uns und den anderen Schweinchen suchte. Zum Glück hatte ich dann Anfang August Urlaub und konnte noch etwas Zeit mit ihr intensiver verbringen. Am 8.8.2009 ist sie gestorben. Wir haben sie im Garten neben Coco begraben.
Unvergesslich:
- Wie sie ganz flach und langgestreckt auf meinen Oberschenkeln lag und dabei im Schlaf mit den Ohren zuckte.
- Wie sie sich immer geschüttelt hat wenn sie längere Zeit gestreichelt wurde, um ihr Fell wieder in den "Ausganszustand" zu bringen, das heißt wieder wie explodiert auszusehen - was der Grund war dass wir sie öfters Finebumm nannten.
- Wie die durch einen Wirbel hochstehenden Fellsträhnen beim Laufen immer hoch- und runterwippten.
- Wie sie einmal versucht hat, beim Frühstück ein Brötchen vom Teller (der auf dem Boden stand) zu klauen, das fast so groß wie sie war.
- Ihre Fähigkeit genau zu wissen, wann man munter wurde, um dann bei der kleinsten folgenden Bewegung mit lautstarkem Quieken den Futterspender darauf aufmerksam zu machen, dass man jetzt etwas zu fressen wolle.
- Ihre Angewohnheit beim gestreichelt werden zu versuchen, an den Fingern, der Nase oder dem Gesicht zu lecken, einmal wurde sogar im Übermut an einem Bauchhaar von Robert recht kräftig gezogen.
In einem Anfall der (neu)entdeckten Möglichkeit des Digital Scrapbooking habe ich versucht Fine eine Seite zu widmen. Diese ist nicht unbedingt so geworden wie geplant, aber ich will sie trotzdem posten: