Der ICE windet sich durch grüne Täler, die von der letzten Abend sonne gekitzelt werden. Auf dem Weg zurück von München nach Leipzig, Separées, Steckdosen, Handyempfang, Bedienung am Platz. Die letzten 36 Stunden ein schwammiges Durcheinander im Kopf. Weiches breites Hotelbett mit Balkon am Englischen Garten, Hilton-Embleme auf Schreibblöcken und Schuhanziehern, Unmengen weicher weißer Handtücher und dicker samtiger Teppich, der jeden Schritt verschluckt. Mehrmalige Völlerei mit italienischen Antipasti, frischen Salaten und frischen Fischgerichten. Zweimal eine Fahrt vorbei an imposanter Architektur von und zum Bahnhof, der eher wirkt wie eine schmutzige Industriehalle aus den Siebzigern. Graue Regenschleier und lange Stunden in einem riesigen Ballsaal mit blumenartigen Deckenleuchten und schummriger blauer Beleuchtung. Expertengespräche und -austausch im Nirgendwo. So müssen sich Künstler auf Tour fühlen. Städte und Gesichter, schön und abweisend anonym zugleich. Das war mein Fortbildingswochenende in Müchen - nächstes Mal mit mehr Zeit, Ruhe und Begeleitung, damit ich nciht irgendwo ins Nirgendwo reise, ohne Gefühl für Zeit und Raum in unserem wunderschönen Land, von dem noch viele schöne Fleckchen entdeckt werden wollen.
Introducing Bob
Nach langem Warten war der ersehnte Tag endlich da: Friseurtermin beim directors cut. Anderthalb Stunden später, ungefähr 40 cm kürzer und gefühlte drei Kilo leichter saß er auf meinem Kopf - der Bob - und ich wollte ihn nicht mehr hergeben. An die Vorteile muß ich mich noch gewöhnen (und ich entdecke ständig neue) - Keine Haargummis, lange Haare auf dem Fußboden, kurze Wasch- und Trockenzeiten und keine Kopfschmerzen mehr, kein Geziepe beim Kuscheln ... Das hat Denise wirklich sehr gut gemacht! Den abgeschnittenen Zopf habe ich meinem Chef vermacht, er restauriert gerade das Familienschaukelpferd und ist noch auf der Suche nach einer Mähne ;) Erstaunlicherweise habe ich bis jetzt nur Komplimente bekommen und fühle mich umso mehr geschmeichtelt. Die Frisur wird, denke ich, ein Dauerbrenner.
Eine "gesunde" Gesichtsfarbe habe ich mir am Sonntag auch zugelegt. Ich wollte auf den Töpfermarkt in Meißen um kam auf die wahnwitzige Idee mit dem Fahrrade dahin zu fahren, als am Samstag bei Globi noch Ortlieb-Fahrradtaschen erstanden und los ging es. Nach 52 km rechts und links der Elbe und einem Steinofenbrot und starken Schmerzen am Allerwertesten zurückgekehrt hatten sich Robert und ich trotz Sonnencreme in zwei 'Rothäute' verwandelt. Meine Handrücken sind besonders schlimm dran; und als mir dann beim Essen kochen noch das heiße Bratfett draufgespritzt ist habe ich laut geflucht ...
Die Erkenntnis des Tages: If you want Bob, just let it happen.
OBS
Wintermüdigkeit
Nach zwei freien Wochenenden fühle ich mich immer noch müde und ausgepowert. Richtige Lust zum kochen und backen hatte ich auch nicht - wenigstens habe ich es endlich geschafft mein Buch zu Ende zu lesen. Heute waren wir dann an den Elbwiesen spazieren, aber so richtig schöne Fotomotive haben sich nicht gezeigt, was mich nur noch mehr deprimiert hat. Zum Glück habe ich schon den Flug nach Norwegen gebucht - zwar werde ich wahrscheinlich keine wirklichen Skiferien machen (nach dem Besuch von 6 Sportgeschäften immer noch nicht den Ski gefunden den ich haben will), aber es wird wieder viele Gelegenheiten für tolle Bilder geben!
Auf Arbeit ist auch viel zu tun, und da ich seit der Beförderung meiner Stationsärztin zur Oberärztin jetzt selber die Stationsärztin bin, habe ich schon sehr mit den steigenden Erwartungen zu kämpfen. Noch ist es nicht viel was dazukommt, aber die Latte wird Tag für Tag höher gelegt ... Übrigens gab es einen kalorienreichen Beförderungskuchen, mehr dazu auf meiner Photos & Mehr-Seite.
Manchmal frage ich mich schon ob es wirklich zu verlangen ist, das alles zu können, wovon man im Studium nie etwas gelernt oder gehört hat; und dann auf einmal davorsteht und weiß: Jetzt muß es sein! Jungen und alten Patienten Krebsdiagnosen mitteilen, wer macht das schon gerne? Wer hat schon im Studium gelernt mit kritischen Situationen oder Patienten umzugehen ohne in Panik zu geraten? Oder das Gefühl zu unterdrücken sich am liebsten verkriechen zu wollen? Verantwortung zu tragen und (in jedem Fall) folgenreiche Entscheidungen zu treffen ist sehr schwer, vor allem wenn man jung und unerfahren in solchen Dingen ist, und ich fürchte dafür gibt kein Lehrbuch. Ich hoffe nur immer jeden Tag so zu handeln dass ich mich abends noch ins Gesicht schauen kann.
Charles M. Schulz