Mein erstes mal ... Socken stricken & färben

Der Urlaub ist schon lange vorbei und eigentlich müsste der Winter schon längst Einzug gehalten haben, aber leider haben wir immer noch immer frühlingshafte Temperaturen. Viel zu warm für meine komplette Winterkollektion, die ich mir bis jetzt gestrickt habe. Inzwischen ist auch noch ein Hobby dazugekommen, nämlich das Färben. Von einer fantastischen Färberin, die ich über Ravelry kennegelernt habe, wurde ich dazu ermutigt selbst in die Färbeküche einzutauchen, und im Vergleich zu meinem ersten Experiment mit den Ostereierfarben waren die Ergebnisse jetzt wirklich eine Wucht. Ich komme natürlich nicht an Romys Stränge heran, aber ich war ganz zufrieden - ihrer Werke gibt es hier zu bewundern.
Gefärbt habe ich mit Ashford-Säurefarben und fixiert in der Mikrowelle, nachdem ich mich durch einige Seiten Anleitungen und Empfehlungen durchgelesen hatte. Der Farbauftrag erfolgte durch einen dicken Pinsel bzw habe ich wieder meine großen Weckgläser zum tauchen verwendet, und da das Ergebnis gut war, werde ich am Verfahren wohl erst einmal nichts ändern. Dünnere Sockenwolle wurde bei der Bestellung der Farbe gleich mitgeliefert (uups, da ist mir wohl schon wieder der schlimme Bestellfinger ausgerutscht ...) für die nächsten Versuche. Ich muss nur noch verstehen, wie ich mir aus den Grundfarben des Sets alle anderen Farbtöne an- und auch wieder nachmischen kann und wie konzentriert das alles für einen bestimmten Farbton sein muss. Ein speziell nur für das Färben zum Abmessen bestimmtes Messlöffelset wurde von Robert bereits 'geliefert'.

'Jamaican Fizz' - Färbung für Annes Socken
Die fertigen Socken
Geplant war beim ersten Mal die Färbung einer dicken Sockenwolle für selbstgestrickte Socken (dicker = geht schneller, besonders wichtig bei Fristen zu Weihnachten) - einmal für Anne, eine gute Freundin, die die Kombination grün und orange haben wollte. Aber meine Recherchen im Internet konnten keine Farbverlaufswolle in dickerer Stärke in diesen Farben auftreiben. Mein Versuch war in der Ausführung nicht schlecht, aber leider schlecht geplant - von dickerer Wolle benötigt man mehr als von dünner, und so reichte der 100g Knäuel nicht für ein komplettes Paar. Das fand ich dann mit der Waage heraus, als die erste Socke schon fast fertig gestrickt war. Also zurückgeribbelt und mit anderer Wolle die noch da war improvisiert. Das Strickmuster der Kalajoki-Socken erlaubte viel Spielraum, und so sahen sie am Ende fast so aus wie so gewollt. Ich muss mir unbedingt noch selbst so ein Paar stricken, vor allen Dingen weil das mit dem Ringelmuster sehr schön funktioniert hat  ...
Ganz nebenbei vergaß ich zu erwähnen, dass es mein erstes Paar Socken überhaupt war, dass ich gestrickt habe. Da meine Mama sonst immer Socken gestrickt hat, bestand ja auch keine Notwendigkeit; und Socken stricken erschien mir immer sehr kompliziert - und das muss ich behaupten, die Doppel- und Fair-isle strickt. Nun ist meine Sockenstrick-Ablehnung/Phobie aber Vergangenheit - warum habe ich mich da eigentlich nicht eher herangewagt? Schlecht ist nur dass ich mir jetzt auch viele schöne Socken stricken will - bei den vielen geplanten Projekten und unfertigen Pullovern und Handschuhen nicht gerade ein Vorteil, meine neue Sockenliebe ... Diesen Socken kann ich aber nicht widerstehen, und die sind auch sehr schön ...

Zuerst plane ich aber  noch ein paar Socken für einen Freund, die Färbung dieser Exemplare darf schon einmal bewundert werden (er liebt Frankreich, passend, oder nicht?):


Allerdings trägt der Empfänger die Größe 43, und da ist jede Megen (Um)rechenarbeit angesagt. Ich hoffe am Ende ist meine Kalkulation der Fußlänge und Maschenzahl richtig und die Socken passen genauso gut wie mein erstes Paar - Anne musste die Socken aber gleich wieder ausziehen weil es einfach ZU WARM war ... Ich kann nur hoffen dass es noch kalt wird, sonst bleiben all die schönen Sachen im Schrank.

Endlich Urlaub

Endlich ist es soweit. Die lange Durststrecke nach dem letzten Urlaub im März ist überstanden, und ich kann im optimalen Monat für Wandertouren wieder in Norwegen die Berge unsicher machen. Diesmal soll es nach Trollheimen gehen, wieder mit dem Zelt und auch über sieben Tage. Ich bin gespannt, ob wir das durchhalten. Die Landschaft sieht vielversprechend aus, nur der Wetterbericht scheint nicht sehr verheißungsvoll, bis jetzt sind fast durchgehend Schauer angesagt. Noch habe ich Hoffnung, da ja auch hier die Vorhersage eher einer Orakelei geglichen hat (heute sollte es regnen, aber ich habe den ganzen Tag wie in der Sauna bei prallem Sonnenschein geschwitzt).

Gjevillvatnet in Trollheimen (Bild von Wikipedia)
 Nachdem ich mein Konto halb leer geplündert habe, werden wir dieses Jahr optimal ausgerüstet in den Wanderurlaub starten. Ich als Proviantmeister habe leckere Tütengerichte zusammengestellt - nun ja, nicht unbedint etwas für den Foodblog - aber sie werden wohl nach einem anstrengenden Tag satt machen. Nach meiner Knöchelgeschichte, die immer noch nicht ganz gut ist, wurden sogar ein paar neue Wanderschuhe gekauft. OK, eine dumme Idee, in neuen Schuhen wandern gehen zu wollen, aber in den alten Schuhen gab es auch jede Mengel Blasen. Zur Not kann ich in die neu erworbenen fivefingers steigen, die tragen sich fast wie barfuß und sind extrem bequem - habe sie schon im Alltag benutzt und bin begeistert. Ein Hingucker ist es auch, und da ich keine teuren Absatzschuhe (oder überhaupt Absatzschuhe) trage, kann ich mir ja auch andere exclusive Treter kaufen ;)

Nach einer langen Phase der Schalstrickerei sind jetzt auch wieder Babysachen an der Reihe. Für das Baby einer Freundin (kommt im September) soll es ein Overall werden, diesmal mit einem schönen Baumwollgarn. Bin gespannt wie es sich strickt ... Ansonsten lüfte ich jetzt noch das Geheimnis, welches Geburtstagskind wieder von mir beglückt wurde - die Anne. Die bekam ein kleines Schaltuch und eine Mütze in lindgrün. Die anderen Tücher auf den Fotos sind für mich gemacht, die lilafarbene Wolle ist vom Wollfest in Leipzig, und das gestreifete Tuch aus den Resten meiner doppelt gestrickten Elchmütze gemacht. Die Änderungen am Originalmuster waren meine Idee bzw eine Zusammenstellung aus anderen Mustern. Da bin ich sehr stolz drauf, besonders die Lace-Kante ist toll geworden. Deswegen habe ich auch gleich noch dieses Buch erstanden und werde vielleicht bald ein ganz eigenes von mir entworfenes Tuch kreieren - aber zuerst gibt es noch viele andere Muster auf Ravelry, die unbedingt gestrickt werden müssen - zum Beispiel der Cladonia. Außerdem ist bald wieder Winter, und ich muss nun endlich mal die Robert versprochene Strickjacke mit Kapuze anfangen. Dabei ist mein Pullover von letztem Jahr noch nicht mal fertig - ok, der wurde auch wieder aufgeribblet und gegen ein anderes Muster getauscht. Aber dazu dann vielleicht nächstes Mal mehr.


Sommerloch

Hmm, bevor der Juni zu Ende geht, muss ich noch schnell ein paar Sachen loswerden. Diejenigen, die sich nicht für das Stricken interessieren, können gleich aufhören zu lesen, denn ungefähr 75% dieses Posts werden davon handeln ;) Mein Universum besteht zur Zeit nur aus Wolle. Ab morgen hat Drops seine Sommergarne reduziert, und ich überlege schon wieder, ob ich bestelle. Ich habe zwar mittlereweile mehrere Kisten mit Wolle, die verstrickt werden will, aber wenn es Rabatt gibt, kann ich doch nicht nein sagen, oder?

Also erst einmal von Anfang an. Vor ungefähr einem Monat hatte ich es geschafft, mich 10 Minuten vor Dienstende so die Treppe hinunter zu stürzen, dass ich mir die Bänder am linken Sprunggelenk überdehnt hatte. Das hieß einen Monat eine Orthese tragen, und das im Sommer. Jeder kann sich vorstellen, dass das nicht unbedingt angenehm ist, vor allem wenn nur zwei Paar Turnschuhe und die Sandalen passen. 
Leider musste ich durch die Zerrung auch zwei Wochen Zwangspause mit dem Fahrradfahren machen, was nicht gerade zur Verbesserung der Stimmung beitrug - komischerweise wurde ich da richtig grantig. Deswegen bin ich auch nachdem die Schwellung zurückgegangen war, gleich wieder auf den Drahtesel gestiegen. Zum Glück ist die Orthese seit Montag ganz ab, und ich kann mich wieder ungehindert austoben. Gerade wegen der ganzen ungesunden Sachen, die auf den letzten Grillfesten serviert, verputzt und weilweise auch von mir hergestellt wurden, muss ich mich unbedingt bewegen, sonst könnte ich nicht solche Leckereien wie diese verputzen. Unbedingt nachbacken, die sind perfekt zum Abschluß eines Grillabends - und deswegen gibt es hier ausnahmsweise auch mal ein Foto von Leckereien, die sonst nur auf  meinem Foodblog zu sehen sind. NB: Ich habe anstatt einer Buttercreme zur Dekoaration eine aus Frischkäse gemacht, natürlich wegen der Kalorien ;)

Campfire delight Cupcakes á la Sweetapolita
Das Ganze mit der Zerrung war auch noch einen Tag vor dem Leipziger Wollfest passiert, was ich unbedingt mit meiner Mutti besuchen wollte. Also bin ich eben hingehumpelt, wer was erleben will der leidet auch gerne. Gelohnt hast es sich shcon, da ich wieder hübsche Wolle entdeckt habe. Das Meiste war mir zwar zu bunt, aber an einem Stand fand ich dann eher melierte Farben mit kreativen Namen, in die ich mich gleich verliebt habe. Gekauft habe ich dann zwei Stränge "My dark valentine" und einen "Bat in a dark mood" von dem ich mir gerade ein tuch stricke. DyeforWool hat auch eine Seite bei Etsy, da könnt Ihr bei Gelegenheit die schönen Farben bewundern. Meine Mutter hat einen Wollwickler gekauft, mit dem wir alle Stränge (die ich hatte) später innerhalb von 2 Stunden zu praktischen Knäulen gewickelt haben. Meine Mutter war so begeistert davon, dass sie fast ihre kompletten Wollvorräte umgewickelt hat. Bei diesem Ausflug habe ich dann noch erfahren, dass eine gute alte Schulfreundin von mir im September ein Kind erwartet - also wieder Babysachen stricken *freu*. Ich habe mir schon wieder schöne Overalls und Mützen ausgeguckt.
li oben und re unten: DyeForWool, re oben und li unten: Lavendelsocken (www.lavendelsocken.de)
Zwei Wochen später habe ich auf dem Handwerkermarkt in Gostewitz wieder zugeschlagen. Da meine Schwiegermama über Pfingsten zu Besuch war, hat sie sich auch anstecken lassen und einen Strang Sockenwolle gekauft. Seit ich sie immer mit meinen Leiblingstuchmustern und -strickanleitungen versorge, muss sie sich auch gegen die Massenproduktion für die Verwandschaft zur Wehr setzten. Natürlich wurden die freien Tage in vollen Zügen genossen, es wurde gekocht und gestrickt und auch ein Ausflug nach Görlitz gemacht, um in der Galerie 13 Kaffee zur trinken. Im 'Filetto' in der Peterstraße sind wir durch Zufall zum Mittag gelandet, und ich kann es wärmstens empfehlen - so einen guten Salat wie dort habe ich lange nicht gegessen (oder besser gesagt noch nie außerhalb meiner eigenen vier Wände), und das Essen war wirklich lecker und preiswert.

Pause @ Galerie 13
Ich stricke im Moment auch mehr für Freunde als für mich, und die Sachen sind so schön, dass ich sie am liebsten alle selbst behalten würde. Annelie bekam zum Geburtstag einen Hitchhiker in Sommerfarben mit gehäkelten Blumen, wobei ich die Blumen bei meiner Häkelerfahrung am anstrengendsten fand. Außerdem habe ich endlich Roberts fingerlose Handschuhe vollendet - aber demnächst werde ich so etwas 'Fummeliges' nicht mehr machen. Da dauert das Fäden verstechen am längsten und strapaziert meinen dünnen Geduldsfaden ... Einige Sachen die schon fertig sind, kann ich noch nicht zeigen dennsiesindeineÜberraschungundmüssengeheimbleiben. Mehr verrate und zeige ich vielleicht das nächste Mal ...

'Nutkin fingerless gloves' für Robert
Summer Hitchhiker für Annelie

Langsam ernährt sich das Eichhörnchen ...

Wie versprochen lüfte ich jetzt das Geheimnis: Mein fertiges Strickwerk war ein Schlatuch für meine Schwägerin Conny, Modell 'Hitchhiker' mit Streifenmuster. Zusätzlich bekam er noch eine schöne Häkelkante an der Seite, wo ich immer den Faden - bzw Farbwechsel gemacht habe, da dort sonst die Übergänge so deutlich zu sehen gewesen wären. In die Kante wurden noch zwei (Knopf)löcher eingearbeitet, auf der andere Seite des Tuches bekam der 'Hitchhiker' zwei dazu farblich passende Knöpfe, so dass Conny ihn im zugigen Greifswald auch schön eng um den Hals schlingen kann, ohne dass er verrutscht. Robert musste für die Fotos Modell stehen - ich finde die Sachen am lebenden Objekt dann doch hübscher - und ich muss sagen dass ihm das Tuch auch stand. Vielleicht kann ich ihn ja mit einer eigenen Variante davon (in weniger pinken Farben) auch mal davon überzeugen, im Winter etwas um seinen Halas zu machen. Den für ihn gestrickten Buff hat er ja im Winterurlaub ein paar mal getragen, ich habe also Hoffnung.
Ich habe übrigens eine neue Lokalität für meine Fotos gefunden: Den Dachboden. Herrlich viel Licht und rustikales Ambiente durch verstaubte Holzböden, Schränke mit abblätternder Farbe und alte Bodenfliesen die wohl einmal den Hausflur ausgekleidet haben. Dort werde ich jetzt wohl öfters Stricksachen ablichten.
Ganz schön vintage, oder?
Steht auch dem Robert gut.
 Das zweite Schalprojekt war ein schmales Schaltuch für meine Nichte, es sollte ihr Geburtstagsgeschenk werden. Leider hatte ich mich in der Zeitplanung wieder einmal total verschätzt. Der 'Körper' aus der grau melierten Sockenwolle war recht schnell gestrickt, aber die Kante mit den Blättern hat ewig gedauert, besonders weil ich diese kleinen Rocaille-Perlen eingearbeitet habe, das war eine ganz schöne Fummelei, und so konnte ich natürlich auch nicht im Auto stricken. Bis ich mir dann auch noch das Muster gemerkt hatte, war ich schon bei Blatt Nummer 15 (von 30), und bis dahin musste ich ständig ablesen, wirklich anstrengend. Manchmal komme ich mir wirklich vor wie eine Schnecke beim Stricken, besonders wenn ich sehe wie schnell manch' andere vorankommen, da fällt mir fast die Kinnlade herunter (den Hitchhiker oben in 2 Tagen). Unter den Projekten meinte auch eine Strickerin, sie hätte dieses Schaltuch (das Cedar Leaf Shawlette heißt) in anderthalb Tagen gestrickt. Vieleicht gibt es ja auch wie die Hardcore-Gamer Hardcore-Stricker? Ich bin schonmal froh, dass ich es wenigstens eine Woche nach dem Geburtstag überreichen konnte. Durch das Blocken bekam es dann wirklich noch eine sehr schöne Form, die ich nicht für möglich gehalten hätte, besonders weil sich die Oberkante immer nach innen rollte. Die Farbkombination mit dem melierten Grau und dem Verlaufsgrün der anderen Sockewolle (das ich aus zwei verschiedenen Knäulen zusammenwickeln musste) erinnert mich an eine Birke. Die Fabel Sockenwolle in grau (offizielle Farbbezeichnung silver fox) gefällt mir sogar so gut, dass ich mir eine Strickjacke daraus stricken würde (brauch noch eine etwas farbneutrale für formelle Anlässe) - da gerade Rabattmonat bei Lanade ist, werde ich wohl zuschlagen :)
Spring Birch Shawlette für Marcella
Schlußendlich habe ich es in den Osterfeiertagen bei Schwiegermama dann auch noch fertig gebracht, ein paar neue Schuhe für meinen goldigen Neffen fertig zu stricken. Ich konnte ja nicht die niedlichen Marienkäferknöpfe, die ich hier im Handarbeitsladen erstanden habe, ungenutzt lassen. Allerdings ging es nur mit der Hilfe von Schwiegermutter, da nach dem ersten Drittel des zweiten Schuhes die (Rest)Wolle alle war (schlechte Planung meinerseits). Zum Glück hatte ich noch eine alte Mütze mit (die eigentlich an die Verwandschaft abgegeben werden sollte), die zur Hälfte aus dieser Wolle bestand, und die mir Schwiegermama mit viel Geduld aufgetrennt und aufgewickelt hat. Vielen Dank dafür - nur habe ich jetzt noch zwei Restknäule mehr im Haus ...

Stiefelchen für den goldigsten Neffen überhaupt
Eigentlich sollte ich mich jetzt wieder meinen Strickereien widmen, es wartet noch die doppelt gestrickte Elchmütze auf Vollendung, die ja zu kurz geraten ist und an die ich noch ein paar Zentimeter anstricken muss, und dann wartet auch noch der Pullover, den ich vor ewigen Zeiten angefangen habe, aber gerade schlage ich Maschen für ein paar fingerlose Handschuhe für Robert an (die vielen verschiendenen Wollbestände müssen weg). Wer die Wahl hat, hat die Qual *stöhn* ;)

Über schlimme Patienten, Zweckentfremdung von Ostereierfarben und Besuche bei alten 'Bekannten'

Ärzte sind mit die schlimmsten Patienten, sagt die Legende, und ich bin gerade das lebende Beispiel dafür. Ich habe mir von Arbeit nämlich eines dieser kleinen Tierchen mitgebracht, die dort gerade grassieren. Zur Zeit sind es die Rota-Viren, fiese kleine Kerlchen, hochansteckend und normalerweise in Kindereinrichtungen und Altenheimen wütend, die Durchfall, Übelkeit und andere unangenehme Dinge verursachen. Schon letztes Jahr bin ich wie auch einige andere Kollegen Opfer des Noro-Virus geworden (ja, jedes Jah ein anderes damit es nicht langweilig wird), und dieses Jahr habe ich wohl auch ganz laut hier geschriehen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen mit Kittel, Handschuhen und speziellem Desinfektionsmittel hat es mich erwischt, und jetzt leide ich schon seit vier Tagen. Ganz furchtbar. Also wirklich wenn-der-Arzt-selbst-mal-krank-ist furchtbar. Man möchte ja meinen, dass ich mich nach vier Tagen und einem 'schönen' Wochenende jetzt endlich erholt habe, aber nach einem Tag mit fast gar keinem Essen, Fieber und Schüttlefrost, einem Tag mit Gelenkschmerzen und stetiger Übelkeit und wenig essen, und zwei weiteren Tagen mit wenig Essen und ständigen Badbesuchen fühle ich mich weiter extrem gerädert und könnte nur schlafen.
Auch wenn ich nie geglaubt hätte, dass ich das als Food- und Kochjunkie mal sagen sollte: Im Moment finde ich Essen widerlich. Sogar den Geschmack von Zahnpasta. Nur leider muss ich was essen, denn sonst führt der Hunger dazu dass es mir auch wiederschlecht wird, ein bißchen paradox ist das schon. Nur kann ich keinen Pudding, Grießbrei, trockene Brötchen oder Bananen mehr sehen. Ich wollte zwar den Winterspeck loswerden, aber garantiert nicht so - eine Methode mit der man garantiert abnimmt und sich gräßlich fühlt.Wenigstens habe ich es geschafft wieder einmal in einem nicht-medizinischen Buch mehr als drei Seiten zu lesen.

Aufgrund dieser ganzen Sache musste ich auch den Stricktreff in Dresden gestern absagen, eine Sache die mich besonders ärgert, da ich den letzten ja auch schon wegen Krankheit nicht besuchen konnte. Ich hätte so gerne meine erste selbstgefärbte Wolle und das Ostergeschenk für meine Schwägerin, meine letzten beiden größeren Projekte also, vorgezeigt. Das Geschenk für meine Schwägerin kann ich noch nicht vorstellen, soll ja eine Überraschung sein, Fotos gibt es also später. Dafür gibt es ein Foto von der Wolle, gefärbt mit Ostereierfarben, Nicht schlecht für den ersten Versuch finde ich. Gekauft habe ich die ungefärbte Wolle auf dem Bauernmarkt in Radebeul-Altkötzschenbroda, die Farben sind aus dem Bastelmarkt, und die Anleitung gibt es hier.

Der Farbton heißt kreativerweise Black Cherry-Blue Ocean
Letztes Wochenende habe ich nicht nur Wolle auf dem Bauernmarkt erstanden, sondern auch wieder jede Menge andere Leckereien: Wildknacker, verschiedenen Schnitt- und Frischkäse, frischen Quark und Milch - was ich jetzt alles nicht essen kann ... *grml* Hinterher waren wir in Görlitz und haben eine Freundin von André besucht - und natürlich auch unseren Lieblingscafé, der Galerie 13, einen Besuch abgestattet. Die macht leider am Ende der Saison zu, seeehr schade. Zu unserer großen Freude war die Haus- und Hoftöpferin fleißig gewesen und hatte produziert, so dass ich einen schönen Teller mit nach Hause nehmen konnte. Milchkaffeetassen gab es leider nur noch eine, und das in grün, die habe ich dann doch stehen lassen.

Görlitz April 2011 (Collage)
Daraus folgt dass wir unbedingt nochmal nach Görlitz müssen (wegen des leckeren Kuchens in der Galerie und der Tassen), und bei Karina (und ihrer Rasselbande) schauen wir dann auch auf jeden Fall nochmal rein. Dann könnte ich sogar ein bißchen meiner Wolle loswerden, die ich eh im Moment nicht schaffe zu verstricken, denn die Karina würde auch gerne mal was ausprobieren was ich toll finde: (Strick/Häkel)Filzen. 
Nächste Woche geht es erstmal zu Schwiemu nach 'Hütte' um Ostern zu feiern - ja Schwiemu, du bekommst auch wieder Wolle ;), ich überlege mir noch ob ich die in ein Ei stecke ... Ich hoffe nur bis dahin haben mich die Viren wieder verlassen, sonst werde ich mich von meinem Neffen, der auch zu Besuch ist, leider fernhalten müssen - den Robert habe ich glücklicherweise nicht angesteckt (oder er hat sich nicht anstecken lassen), vielleicht auch dank ständigen Desinfizierens, so dass unser ganzes Bad im Moment nach Sterilium 'duftet'. Nicht gerade frühlingshaft, aber zweckmäßig.

Winterfreuden im Frühling

Ja, endlich ist es soweit. Trotz knapper Kasse haben wir Anfang Januar wieder Skiurlaub in Nordseter gebucht (so wie letztes Jahr), und am Freitag ist es wieder soweit. Mittlerweile dreht sich die Waschmmaschine wieder den ganzen Tag, Koffer werden entstaubg und die warme Wollunterwäsche hervorgesucht, die aufgrund der eher milden Temperaturen schon in die Tiefen des Schrankes verbannt war. Meine Mutter versorgt dankenswerterweise wieder die Meerschweine (fragt sich nur wer sich mehr darüber freut ;) und meine Eltern fahren uns wieder zum Bahnhof nach Dresden, damit wir pünkltich um vier Uhr früh da sind. Das einzige Problem breiten uns noch Roberts Ski (ja, er will es nochmal versuchen mit dem Ski fahren), die sind schon seit mindestens 3 Wochen bestellt aber immer noch nicht eingetroffen, wirklich ärgerlich.
Zum Glück habe ich Zeit und Ruhe alles vozubereiten, denn ich konnte diesmal zwei Wochen Urlaub nehmen. Das gab auch genügend Zeit und Raum um letzten Sonntag einen schönen gemütlichen Geburtstagsbrunch zu veranstalten. Es waren mehr Leute da als letztes Jahr, was mich besonders gefreut hat, unter anderem auch zwei Kollegen. Die Geschenke waren auch nicht von schlechten Eltern, und ich werde sie bald auch benutzen ;). Wer nun neugierig geworden ist, sollte mal auf *Butterfinger* vorbeischauen, da gibt es demnächst Details.
Ansonsten habe ich mich sehr gefreut mal wieder mit alten Studienfreunden telefonieren zu können, die an meinem Geburtstag angerufen haben - und ich habe es mir (mal wieder) vorgenommen, die Kontakte nicht so sehr schleifen zu lassen.

Sonst war ich stricktechnisch weiter fleißig und habe Robert noch einen Buff/Cowl für den Winterurlaub gestrickt, außerdem eine Tasche für Patricks amazon Kindl; und zumindest der Testhandschuh mit dem Rentier ist fertig geworden (den muss ich aber noch überarbeiten). Fotos meines Neffen in meinen gestrickten Sachen haben mich auch erreicht, und darin sieht er noch vieeel niedlicher aus als er sowieo schon ist; nur die Schuhe sind leider etwas klein geraten, aber wer kann schon ahnen, dass der kleine Bursche shcon auf so großem Fuß lebt ;).
Mit meiner Mama war ich dann auch letztens auf dem Stricktreff in Dresden, wo ich gleich noch ein paar schöne handgemachte Maschenmarkierer erstanden habe, die wirklich hübscher als zusammengeknotete Fadenreste sind.
Nun muss ich mich nur entscheiden, welches bzw welche meiner Strickprojekte ich mit in den Urlaub nehme *grübel* ...

li: Nutkin cowl/buff, rechts (v. oben n. unten): Kindl cozy, Manos del Uruguay Wolle, doppelt gestrickte Mütze mit Elch

Wool work

Mit Leidenschaften ist das so eine Sache, meistens sind sie heiß und kurz, aber genauso schnell wieder vorbei wie sie gekommen sind. Manchmal könne sie aber auch schnell in eine Sucht ausarten, besonders wenn man 'Material' dafür auf dem Silbertablett nachgeliefert bekommt. So ist es zur Zeit bei mir mit dem Stricken. Letzte Woche habe ich schon wieder Wolle bestellt, und das obwohl die Kisten noch gut gefüllt sind und ich froh war sie halb leer bekommen zu haben. Nur leider finde ich, seit ich Mitglied bei ravelry bin, viele schöne neue Muster für Mützen, Pullover, Stulpen usw. In der Leitung sind schon ein Pulli für mich (die Wolle liegt schon ewig da), eine original Island-Kaputzenstrickjacke für Robert (die Wolle habe ich vor zwei Wochen in einem wunderschönen Laden in Dresden erstanden), je ein paar Hausschuhe für uns beide und eine Weste mit Zopfmuster für mich - ganz abgesehen von diversen Handschuhen und Stulpen, denn der Winter ist ja bald wieder vorbei ...
Meine Schwägerin konnte ich mit neuen Stulpen aus pommerscher Wolle beglücken; und auch mein Neffe wird sich freuen, wenn er denn bald auf die Welt kommt, denn dann werden seine Eltern ein Paket mit wunderhübschen Stricksachen erhalten, unter anderem die Schuhe und einen Overall, den/die man auf den Fotos schon (teilweise) bewundern kann. Mal sehen wie lange die Leidenschaft noch lodert, zumindest ist für Nachschub and 'Rohmaterial' schon gesorgt ...
li oben: Babyschuhe, li unten: Stulpen für meine Schwägerin, re oben: Norwegerhandschuh, re unten: Knopf am Overall für meinen Neffen

Burn-Out-Philosopphie II oder die Mär von der verlorenen Zeit

Das neuerliche Interesse der Medien an den Arbeitsbedingungen von uns Ärzten muss ich gleich  wieder einmal als Anlass nehmen um meine 'eu gestartete 'Beitragsreihe' weiterzuführen. Als kleine Empfehlung kann ich den Beitrag vom ZDF schon geben, aber viel wird  verschwiegen, oder gehässig gesagt einfach mal so unter den Tisch gekehrt. Freundlicherweise werden die Dienste (die auch der KV-Arzt machen muss) mit keinem Wort erwähnt. Vielleicht sind sie auch nach Verlassen der 48h-Schichten als nicht mehr medienwirksam genug aus dem Beitrag gestrichen worden, aber ich möchte trotzdem gern ein oder zwei (oder auch mehr) Worte darüber verlieren. 
Dienste sind in meinem Freundes-oder Verwandtschaftskreis mittlerweile eine mehr oder minder gut entschuldigte Form des Fehlens. Geburtstagsfeier der Oma - Wo ist die Ina? Ach so, die hat Dienst. Gemütlicher Grillabend bei Freunden.Wo ist die Ina? Ach so, die hat Dienst. Konzert am Samstag, wer möchte mitkommen? Ne, die Ina kann nicht, die hat Dienst. Zum Glück hat es sich in meinem Bekanntenkreis mittlerweile herumgesprochen, dass mit mir geplante Aktivitäten mindestens einen Monat vorher angekündigt werden, damit ich sie in den Dienstplan einbauen kann, und zum Glück kann ich dabei auf einen milden 'Dienstplaner' zählen, der bis jetzt immer alle Wünsche möglich gemacht hat. Bei meiner Familie klappt das mit der Planung leider nur zu fünfzig Prozent. Über die dadurch verpassen Jubiläen ärgere ich micht nicht so sehr wie über den Fakt, dass ich dann oft auch nicht dazu komme, zu gratulieren (oder es einfach vergesse).
Etwas, worüber man im Dienst dann nachzudenkt, ist Zeit, vielleicht auch weil man davon so wenig hat. Besonders deutlich wird dass, wenn man darüber akribisch Buch führen muss, so wie die letzten drei Monate. Unsere Verwaltung wollte eine genau Aufzählung über unsere im Dienst ausgeführten Tätigkeit, und da ist es mir öfters passiert dass ich mir dachte "Was genau hast du eigentlich alles in den letzten zwei Stunden gemacht?" Unterm Strich kamen von den 16 Dienststunden pro Dienst je nach Arbeitsbelastung 3 bis 9 Stunden reine Arbeitszeit (und am Wochenende bei 24 Stunden Dienst bis 16 Stunden Arbeitszeit) heraus. Das hört sich nicht viel an, aber dazu sei gesagt dass man ja wochentags vorher schon acht Stunden gearbeitet hat; und 3 Stunden Arbeistzeit können sich auch auf sechs mal eine halbe Stunde im Abstand von 15 Minuten verteilen, gerne auch mal ab zwei Uhr nachts ... Dinge die sich dann gut dazwischen erledigen lassen sind Mittag essen, Entlassungsbriefe schreiben oder (aber nur vor 22 Uhr) Angehörigengespräche führen.
Ich wundere deswegen  mich nicht mehr, wenn ich selbst nach 'leichten' Diensten totmüde am anderen Tag  ins Bett falle und bis nachmittags schlafe. Ich ärgere mich oft darüber, diese Freizeit im wahrsten Sinne des Wortes zu verschlafen, aber mein Geist kann den Körper auch nur in einem bestimmten Maß wach halten. Auf Party-Training kann ich da nicht zurückgreifen, zum Glück bin ich eine Nachteule und spätes Arbeiten fällt mich nicht allzu schwer. Es ist aber auch ein paar Mal vorgekommen, dass ich beim Schreiben fast eingschlafen und mit dem Kopf auf dier Tischplatte gelandet wäre (das war halb fünf Uhr früh). Zum Glück kann ich noch gut abschlalten und falle hinterher todmüde ins Bett. 
Ich wollte eigentlich einmal ausrechnen, wieviel Zeit ich bisher mit Diensten 'verloren' habe (inclusive des 'Nachschlafes'), aber ich habe es dann gelassen. In dieser Zeit hätte ich bestimmt viele (nicht Fach)bücher lesen und diesen Blog mit noch mehr Inhalt füllen können.
Zum Glück wissen meine Patienten meistens nichts von diesem Zustand. Ich muss sie dann enttäuschen wenn sie nachts einen ausgeruhten Arzt erwarten, der in der Notaufnahme geduldig auf Patienten wartet, und wenn sie nachts wegen seit drei Tagen anhaltenden Kopfschmerzen aufschlagen und fragen: "Oh, habe ich sie etwa geweckt?", möchte ich gerne sagen "Ja, leider", aber das mache ich nicht, denn meistens ist es weit zum Hausarzt und die Ratlosigkeit groß (aber die schlechte Hausärzte-Lage steht noch auf einem ganz anderen Blatt). Etwas makaber sind auch die nachmittäglichen Rundgänge wo mir meine Patienten einen schönen Feierabend wünschen und ich sage: "Nein, ich muss bis morgen früh dableiben." Pat.: "Ach, dann haben sie also Nachtschicht?" Ja, die bleibt nicht aus. Wenn ich also gelegentlich Freunde, Bekannte oder Verwandte auf der Straße nicht grüße, Anrufe ignoriere oder auf mails nicht antworte, versuche ich bestimmt die Schatten der Nachtschicht von mir abzuschütteln. In diesem Sinne, eine gute Nacht.