Was schenkt ma jemandem der einen runden Geburtstag feiert, noch dazu wenn es sich um die bessere Hälfte handelt? Ich war ein bißchen ratlos. Roberts wünsche sind normalerweise recht unbescheiden. Im Geschäft greift er immer zielsicher zum teuersten Stück; und etwas zum Anziehen kaufen ohne ihn einzubeziehen ist keine gute Idee. Selbst wenn wir gezielt nur für ihn einkaufen gehen wollen verlassen wir den Laden meist mit leeren Händen. Also was tun? Das Wertvollste für uns im Moment ist Zeit zusammen (neudeutsch Quality time), da ich durch meine ganzen Dienst doch sehr eingeschränkt bin, also habe ich uns eine schöne Zeit zusammen geschenkt. Nach etlichen "ins Blaue" Recherchen im Internet, angestachelt von einem Artikel aus dem Globetrotter-Magazin zum Wandern im Harz hatte ich dann auch ein hübsches Hotel gefunden. Es verströmte nordisches Flair (genauer gesagt dänisches) und lag in der Nähe von Goslar. Zum Glück wußte ich nicht dass im selben (etwas abseits von Goslar gelegenen) Ortsteil sich noch mehr Hotels befanden und es sich bei der Lokalität um einen furchtbar auf Tourismus ausgelegten Kurort handelte. Das hätte uns ein wirklich schönes Hotelzimmer gekostet ;); und zum Glück hatte ich auch nicht in Altenau, einem Nachbarort, gebucht (aber dazu später). Unsere Abreise stand nciht unbedingt unter einem guten Stern. Ich hatte überhaupt nicht daran gedacht dass just an diesem Wochenende in einigen Bundesländern die Schulferien begonnen hatten, und dementsprechend war die Autobahn proppevoll. Bei Halle standen wir an einer Baustelle dann sechs Kilometer im Stau und krochen eine Stunde lange im schönsten Stopp-and-Go vorwärts, begleitet von eim atemberaubenden Sonnenuntergang. So verschob sich unsere Ankunft im Hotel reichlich nach hinten; und ehe wir den richtigen Abzweig nach Hahnenklee gefunden hatten (danke an Google maps ...) war auch noch einmal eine viertel Stunde vergangen. Zum Glück lag das
Hotel Njord gleich am Anfang der Ortschaft und das Menü wartete schon auf uns, so dass wir nach einer kurzen Begehung des Zimmers am Tisch platz nehmen konnten. Das war recht ungewohnt für mich, lagen doch echte Stoffservietten und 3 verschiedene Arten von Besteck auf dem Tisch. Mit unseren Fleecepullis sahen wir doch etwas deplaziert aus, doch das störte uns wenig. Das Menü war eine wahre Gaumenfreuden und inspirierte mich später zu
neuen Küchenkreationen. Es gab unter anderem Kürbissuppe, Ente (perfekt auf den Punkt gegart) und zum Abschluß Anistarte mit Zitronensorbet - ein Rezept für solch eine Tarte habe ich bis jetzt vergeblich gesucht, vielleicht kann mir jemand einen Hinweis zukommen lassen wo ich noch schauen kann? Das Bett hinterher lud nicht nur zum Schlafen ein, sondern war einfach herrlich zum Rumlümmeln - wir suchen ja schon lange ein passendes für unser Schlafzimmer, und mit diesem könnten wir uns beide sofort anfreunden.
Am nächsten Morgen lockte das reichhaltige Frühstücksbuffet mit solchen kleinen Delikatessen Croissants und Dänischen Gebäckteilchen oder leckerer Aprikosen-Zitronen- und Kirsch-Ingwer-Marmelade. Nachdem wir von allem probiert hatten sollte es an die Tagesplanung gehen - aber vorher durfte Robert sein Geschenk schon vorzeitig aufmachen. Ich wollte wandern, und dazu brauchte Robert natürlich auch neue Wanderschuhe (denn die altenwaren schon recht ausgetreten und nicht wasserdicht). Leider stellte sich nach einigem hin- und herprobieren heraus, dass ich die Schuhe zu groß bestellt hatte (später ging diese Paar zurück und wir kauften ein neues Paar zwei Nummern kleiner im Laden). Also mußten wohl oder übel die Alten noch einmal herhalten. Nach einigen Problemen mit dem lokalen WLAN gelang es doch noch ins Internet vorzudringen und eine Wanderstrecke zu planen. Es gab zwar gleich hinter dem Hotel einen Rundweg um Hahnenklee, aber wer will schon auf dem "Liebesbankweg" wandern? Das klang eher nach Spaziergang, also wollten wir den zweiten Teil des Harzer Hexenstieges wandern, welcher ca 10 Minuten Fahrzeit mit dem Auto südlich vom Hotel entlangführte. Wir wollten auf einem Parkplatz am Weg parken, bis nach Altenau laufen (ca die Hälfte der Etappe) und dann wieder zurück. Das Wetter sah nicht besonders einladend aus, aber ein bißchen Nieselregen konnte uns nicht abschrecken, ein wenig wasserabweisend waren unserer Sachen ja alle. Frohen Mutes starteten wir dann entlang des "Harzer Wasserregal", den historischen Wasseradern vergangener Bergbau-Zeiten. Leider bekamen wir nicht nur Wasser zu sehen sondern auch alsbald zu fühlen. Von oben strömte bzw träufelte ein konstanter Wasserschauer. Dabei hatten wir alle Arten von Regen: Feine Nieselschauer, feuchte Nebelschwaden von vorn, dicke Tropfen im Schwall oder einzeln ... ein richtiges nasses Potpourri eben.


Dieser Dauerberegnung hielten unsere wasserabweisenden Sachen nicht lange stand. Ich war leider noch schneller durchgeweicht als Robert. Die schön-schaurigen Aussichten mit Nebelschwaden und herbstlicher Stimmung konnten nicht über diesen unanagenehmen Zustand hinweghelfen. Das letzte Stück bis nach Altenau war eine einzige Qual; und der Plan mit dem Bus zurückzufahren, welcher inzwischen herangereif war, gestaltete sich ebenfalls schwierig. Als wir erst an der Straße und dem ersten Haltestellenschild angekommen waren, fanden wir schnell heraus dass am Wochenende nur drei- oder viermal einer fuhr, und auch nicht unbedingt eine Strecke die in Richtung des Parkplatzes zurückführte. Also sollte ein Taxi her. Unsere erste Anlaufstelle war die Touristeninformation, die aber geschlossen war - und das an einem Wochenende gegen 15 Uhr! Die angegebene Telefonnummer bei Fragen fürhte zu einer Hotline (wahrscheinlich in Hamburg oder München), wo zuerst eine lange Warteschlage und dann eine ahnungslose Mitarbeiterin bereithiel. Diese wollte uns ein Taxiunternehmen irgendwo eine halbe Stunde weiter entfernt aufschwatzten weil es sonst keins gäbe - die Anfahrt hätte uns wahrscheinlich schon ein Vermögen gekostet ... Frustriert und durchgefroren suchten wir schließlich ein Café auf, wo ich auf die gloreiche Idee kam, nach einem Telefonbuch zu fragen, die Verkäuferin kannte zum Glück auch ein Taxiunternehmen (bzw den Betreiber persönlich), so dass wir kurze Zeit später bei einem heißen Kaffe und einem Stück Kuchen auf unser Shuttle zurück warteten. Der Fahrer war gesprächig und so war die Fahrt sehr kurzweilig. Zurück im Hotel musste wir uns beeilen, denn unser Fußpflegetermin wartete schon - leider hatte die Dame denselben vergessen, so dass Robert später und ich erst am nächsten Tag in den Genuss kommen konnte.

Das nordisches Buffet am Abden mit Spanferkel, Garnelen auf Linsen, Erdbeergrütze und anderen lukullischen Genüssen liessen uns das aber schnell vergessen. Eigentlich wollten wir hinterher noch in den hoteleigenen Wellnessraum mit Sauna, aber wir waren nach Stunden mit Schlemmen so voll, dass wir uns lieber mit einem Cocktail auf unser Zimmer zurückzogen um das Bett so richtig auszukosten - enspanungstechnisch natürlich ;)
Am nächsten Morgen (Roberts Geburtstag) wurde gleich ein Stück Kuchen serviert und das Geschenk überreicht - Wanderschuhe, und dazu noch wasserfeste. Die hätte der Robert eigentlich am Vortag gebrauchen können. Leider war die bestellte Größe auch zu groß, ließ sich aber später problemlos zurückschicken bzw umtauschen. Nach einem ausgiebigen Frühstück war schon Zeit zum Aufbruch, die Rückfahrt stand uns bevor. Wir wählten eine Strecke über die Landstraße zurück in Richtung Autobahn, nur leider war die Ausschilderung verbesserungsbedürftig und das Wetter weiter extrem herbstlich. Die Wolken hingen tief und ein feuchter Teppich hing über den Straßen. Der Brocken verhüllte sich in einem dicken Nebelgewand, so dass wir ihn leider nicht in voller Schönheit bewundern konnten. Der herbstliche Farbrausch der Bäume wurde durch den grauen Schleier aber zum Glück nicht seiner Schönheit beraubt.
Zurück auf der Autobahn reihten sich dann Kilometer an Kilometer - die neue A38 war eine triste Angelegenheit. Unser Proviant war aufgebraucht und weit und breit war keine Raststätte in Sicht, das schlug extra auf das Gemüt. Laut unserem Atlas sollte die nächste erst kurz vor der letzten Abfahrt kommen, das war uns wirklich zu lang. Irgendwann ein paar Abfahrten später fand sich eine Tankstelle mit angeschlossenem Burger King - ich wollte eigentlich kein Fast Food, aber wir waren wirklich hungrig ... Wenn das Hotel nicht so weit weg liegen und so umständlich zu erreichen wäre, würde ich schon öfters dort vorbeischauen, denn gefallen hat es (uns beiden), und der Harz ist (mit der richtigen Bekleidung) immer eine Reise wert.