Väterchen Frost läßt Weichen und meine Wimpern gefrieren

Knackige minus 18 Grad waren es heute früh, nicht gerade ein Wetter um FAhrrad zu fahren, noch dazu wenn die Straßen halb vereist sind. Angezogen wie ein Michelin-Männchen stapfe ich also zum Bahnhof - getreu dem Motto "Gib der Bahn eine Chance". Fünf Minuten nachdem der Zug eigentlich fahren sollte folgende Durchsage "Aufgrund von Weichenstörungen in Coswig ... 30-40 Minuten später." Danke! Ihr wißt ja auch erst seit fünf Minuten dass das so ist - der ICE vor einer halben Stunde der diesselbe Strecke fährt hat ja auch nur 50 Minuten Verspätung, und so kalt ist es ja auch erst seit einer Stunde (NB am Abend vorher waren es schon zehn Minusgrade). Zum Glück war Robert sowieso munter, also konnte er mich fahren. Am Nachmittag dachte ich wieder positiv und wollte erneut einen Versuch starten. Ich ging ein bißchen eitiger von Arbeit los, da ich eigentlich noch die schöne weiße Frostlandschaft fotografieren wollte, leider war es schon zu dunkel und so kalt, dass man nciht mal für eine Minute die Handschuhe ausziehen geschweige denn die Kamera ruhig halten konnte. Das enttäuschte mich zwar, aber ändern konnte ich es auch nicht. Am Bahnhof noch normaltemperiert angekommen war ich guter Dinge, der der Zug in die Gegenrichtung zur Zeit fuhr. Aber schon ein paar Minuten später erschien der Hinweis "15 Minuten später" auf der Anzeige. Dann wurden 30 Minuten daraus. Inzwischen hatte ich schon kalte Füße und Hände. 25 Minuten nach der eigentlichen Abfahrtszeit erschien "60 Minuten späer" und "Zug fällt aus" auf der Tafel und eine freundliche Männerstimme verkündete eine Verspätung von "unbestimmter Zeit". Außer mir waren noch drei andere Leute am Bahnsteig, und einer von ihnen telefonierte fleißig mit Leipzig und Riesa was nun passieren sollte - aber keiner konnte weiterhelfen. EIn Taxi könnten wir uns nehmen, aber müssten das Geld einklagen - für die Dame aus Dresden war das auch keine Option. Ich bestellte Robert (wieder mal, wenn ich das geahnt hätte hätte ich mich ja gleich abholen lassen können). Meine Zehen fühlte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Dann wartete ich. Die Anzeige verkündete mittlerweile "Ersatz durch Bus". Es war auch eigentlich schon Zeit für den Zug die Stunde später - der wurde dann mit 5-10 Minuten Verspätung angekündigt. Al Robert mich aufsammelte hatte ich geschlagene 95 (!) Minuten bei mindestens minus 12 Grad am Bahnhof gestanden - eine Möglichkeit sich aufzuwärmen gab es nicht, die Bahnhofshalle in Oschatz schließt dienstags halb fünf ihre Pforten, und selbst das Abstellgebäude für die Fahrräder zu dem ich ja einen Chip habe war keine Option - die Automatiktür funktionierte nicht, wahrscheinlich festgefroren ...


Meine Wimpern waren in dieser Zeit komplett vereist und ich bekam die Augen gar nicht mehr richtig auseinander - das hatte ich auch noch nie. Ein Foto kann ich als Beweis nicht anführen, aber bei den Temperaturen wollte ich nicht auch noch die Kamera ruinieren. Wer jetzt vielleicht behauptet ich wäre nicht warm genug angezogen gewesen: Wolluntershirt, langärmeliges Shirt und Pullover, Fleecejacke, dicke gefütterte Innenjacke, Softshelljacke, dicke Unterhosen, gefütterte Trekkinghosen, zwei paar Socken (eins davon dicke aus Wolle), Winterschuhe mit Lammfellfutter, Fleecebuff, Wollmütze mit Fleecefutter und dicke gefütterte Handschuhe sollten eigentlich ausreichend sein ...


Wenn ich morgen nicht darniederliege wäre das höchst verwunderlich. Ich habe zwar ein Bad zum Aufwärmen genommen, aber im Moment kratzt es schon mächtig im Hals. Beim letzten Mal als ich so gefroren habe hatte ich hinterher eine fette Angina. So, jetzt werde ich noch kochen, ich habe morgen nämlich ausgerechnet Dienst und brauche etwas zum Mittagessen.





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