Ich hatte ja schon oft erwähnt dass mein Tag mindestens 48 Stunden haben müsste, vor allen Dingen da ich mehr Hobbys habe als sich ein normal arbeitender Mensch leisten kann. Deswegen sieht es in unserer Wohnung meistens etwas chaotisch aus; und es kommen immer mehr Utensilien hinzu, die dann in Boxen bis unter die Decke gestapelt werden. Mittlerweile läßt sich unserer Abstellkammer nur noch mit Mühe schließen, denn die komplette Langlaufausrüstung für zwei und meine Skikes nehmen das letzte bißchen Platz ein. Von meinem sich ständig vergrößerndem Wollvorrat im Schlafzimmer wollen wir erst gar nicht reden (Wer kauft das ganze Zeug eigentlich ?!?) ... Leider habe ich ein neues Hobby entdeckt, was dieses Problem nur noch vergrößert: Das Wolle färben. Der Platz im Flurregal, den ich durch das Ausräumen (und Verschenken) meiner Nassfilz-Utensilien (hauptsächlich Kammzüge) geschaffen habe, wird inzwischen schon wieder von einer Samla-Box (praktisch diese Teile) mit Färbeutensilien bevölkert. Da kann ich schon froh sein, dass mich nicht noch (wie einige Andere in meiner Stricktruppe) das Spinn-Virus befallen hat. So ein Spinnrad kann man nämlich nicht in ein Regal räumen.
So habe ich mich nach den anfänglichen Versuchen mit Sockenwolle und dem etwas verunglückten Färbeversuch für einen Cowl beschlossen, etwas 'professioneller' heran zu gehen. So wurde beim Wollschaf wieder Farbe und Wolle bestellt und Literatur gewälzt - zum einen ein englisches Buch (was ich demnächst gerne auf meiner Bücherseite besprechen will) und ein deutsches Buch, welches mir meine Lieblingsfärberin Romy von Socknrolla zur Verfügung gestellt hat (ich versuche es auch demnächst wieder brav zurückzuschicken ...). Das deutsche Buch hat den Vorteil, dass für die Ashford Farben, die ich auch benutze, Mischrezepte und Anleitungen für die richtige Anwendung bei den verschiedenen Techniken angegeben sind (so dass die Ergebnisse auch reproduzierbar sind). Also habe ich fleißig die einzelnen Farben angemischt, zusammengemischt, und die 'Rezepte' mit ml-Zahl der Farbe festgehalten. Ich hatte sogar Zeit und Muße, von den fertigen Ergebnissen ein Handbuch mit entsprechendem Wollstranng und Strickprobe anzulegen. Die (überfärbte) Wolle, die zum Zusammenbinden verwendet wurde, ist auch gleich noch in den Katalog aufgenommen worden.
Entschieden hatte ich mich für Sockenwolle mit Bambusanteil (glänzt schon und wirkt von Natur aus etwas meliert). Die beiden fertigen Stränge sind ganz gut gelungen, obwohl ich schon auf andere Farbtöne aus war - die Lila-Braunton-Färbung sollte wie diese Färbung von Tanis Fiber Arts werden (eine Sonderfärbung des diesjährigen Wollabos), deswegen heißt sie auch 'Tribute to Tanis'. Der zweite Strang war ursprünglich ein Pink-Grau-Hellblau Experiment, was dann am Ende zu intensiv (das Pink) und zu fleckig (grau und blau) geworden war. Also wurde alles nochmal im Topf graublau überfärbt - deswegen der Name 'Boozed Pink Panter'.
| von li oben nach re unten: Färbeproben, 'Boozed Pink Panther', 'Tribute to Tanis', Strickproben |
Das nächste Projekt wird allerdings ein Überfärben von bereits farbiger Wolle sein. Die fliederfarbene Wolle, mit der mein erster Pullover fast schon fertig gestrickt war, wartet darauf, in ein dunkles Lila verwandelt zu werden, vielleicht schaffe ich es sogar, das Ganze etwas meliert aussehen zu lassen.
Nach einigen grauen Haaren mehr, weil der (fliederfarbene) Pullover nicht passte (tja, eine Maschenprobe muss wohl sein ...) und ich auch die Farbe ganz gräßlich fand (was habe ich mir damals blos gedacht?), entschied ich mich mit schwerem Herzen nach der ganzen Arbeit alles wieder aufzuribbeln. Die ganze Wolle (satte 600 g) muss jetzt zum Färben noch in 100g-Stränge gewickelt werden - eine echte Sisyphos-Arbeit. Diesmal soll daraus eine Strickjacke entstehen - wenn ich jemals dazu komme ...
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