Wochenendausflüge: Røros und Tynset


Am Wochenende hatte ich einiges vor: Eine alte Freundin aus meiner Stettiner Zeit besuchen. Dorota arbeitet(e) da als sogenannter turnuslege. Mit dem Bus fand sich eine recht preiswerte und schnelle Reisemöglichkeit. Natürlich war ich ein bisschen aufgeregt, war es doch meine erste Busreise, aber alles verlief bestens. Der Fahrer sprach bestes Englisch, es gab kostenlosen Kaffee oder Tee, ein WC, äußerst bequeme Sitze mit Beinlehne und es wollten einige Leute nach Tynset, so dass ich auch garantiert den Ausstieg nicht verpassen konnte. Beim verlassen von Trondheim passierten wir einige Straßenzüge, die sich auch hätten in Dresden, Berlin oder Warschau befinden können. Altbauten (aus Stein), ein bisschen heruntergekommen und wahrscheinlich von Studenten bewohnt, vielstöckige Hochhäuser mit leeren Ladenzeilen im Erdgeschoss und tristen Innenhöfen. Aber nach ein paar Kilometern und dem Verlassen der Einkaufszentren und Gewerbegebietareale veränderte sich alles. Da war es wieder, das Norwegen meiner Träume: Sanfte grüne Hügel, an Berghänge geschmiegte Bauernhöfe, steile Straßen an Abgründen in tiefe bewaldete Täler, einspurige Brücken über tiefe Schluchten mit rauschenden Flüssen, Wasserfälle, kleine Siedlungen von hohen Bergen eingeschlossen aber auch weite Hochflächen und schneebedeckte Gipfel.
Da mir die ganze Fahr über ganz schön übel gewesen war - ich bin die holperigen Straßen doch nicht gewöhnt - gab es in (wahrscheinlich einzigem) Café in Tynset erst einmal ein leckeres Sandwich und einen Kakao. An die merkwürdigen Eigenheiten muss ich mich gewöhen, was nicht als Selbstbedienung gekennzeichnet ist muss bestellt werden (man bekommt einen formschönen Zettel mit Nummer) und wird dann geliefert. Manchmal kommt das Getränk auch mal später als das Essen... Später zeigte mir Dorota den Ort: Zwei Hauptstraßen mit je einem kleinen Einkaufszentrum, das Verwaltungsgebäude der Gemeinde und das Krankenhaus (60 Betten und eine Notaufnahme). In Deutschland hätten diese Ausmaße nicht einmal Stadtstatus; in Norwegen ist es schon ein großer Fleck auf der Landkarte. Den Abend verbrachten wir erst vor dem Fernseher und gingen dann zum 'Sparkrock' (spark ist der typische Schlitten: Hinten auf den Kufen stehen und schieben, vorne Kinder oder Einkauf auf der Sitzfläche). Schon komisch, da komme ich zu Besuch, und zufällig findet dann das größte Ereignis des Jahres statt... Natürlich war auch die Jugend der umliegenden Gegend versammelt, eigentlich waren alle Altersklassen vertreten, von den älteren Damen die die Eintrittskarten verkauften bis zum 12jährigen Teen mit Elternbegleitung. Um eins schafften wir es dann ins Bett.



Am nächsten Tag ließen wir es ganz gemütlich angehen und fuhren gegen Mittag nach Røros. Røros steht auf der World Heritage List der Unesco und das zu Recht. Die kleinen eng bebauten Gassen mit den bunten altertümlichen Holzhäusern sind eine wahre Augenweide (laut Dorota ist es im Winter bei minus dreißig Grad und meterhohem Schnee noch atemberaubender, das glaube ich gerne).
Der Kupferbergbau hat die Geschichte und das Aussehen der Stadt geprägt, seien es die von der Bergbaugesellschaft bezahlte Kirche oder die großen Berge aus Schlacke, die von der Kupfergewinnung zurückblieben und jetzt als höchster Punkt des Ortes einen guten Ausblick auf die umliegende Gegend bieten. In der Kirche wurde ich von dem älteren Eintrittskartenverkäufer nach Angabe meiner Nationalität daurauf aufmerksam gemacht, dass hier "sowieso alles fast deutsch sei" - das fand ich etwas befremdlich, aber den deutschen Rentnern scheint diese Aussage wohl zu gefallen... In einem urgemütlichen Hinterhof mit Livemusik gönnten wir uns einen Kaffee (und ich ein Stück Røroskake - eine Art Mandelkuchen mit Zuckerguß), bevor wir die Schlackenberge bestiegen und auf Fotomotiv-Pirsch aufbrachen.
Anschließend dinierten wir in einem sehr feinen Restaurant bei einem für Røros typischen Fleischgericht: Rentiersteaks mit Mandelkartoffeln auf lokalem Gemüse. Das war sehr lecker und bildete den krönenden Abschluss des Tages. Mit dem Bus ging es dann für mich zurück nach Trondheim, wieder mit atemberaubender Landschaft.

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