Strahlendes Wetter. Sogar einen Tag frei - Überstunden abbummeln. Warum habe ich nur so schlechte Laune? Genau: Anstatt ins schöne Görlitz zu pilgern wie geplant liege ich auf meiner improvisierten Couch und schnaube mir schon mit dem fünften Taschentuch meine mitllerweile geschundene Nase. Der einsetzende Hustenanfall schleuert meine Bazillen ins durch die Fenster einfallende Sonnenlicht wo sie fröhlich zusammen mit den Staubwirbeln tanzen. Alles ist wie immer - an freien Tagen die Wehwehchen auskurieren damit man sich am nächsten Tagen wieder auf Arbeit schleppen kann.
Das Wochenende war ich auch ausreichend beschäftigt: Am Sonntag Dienst - der wenigstens einmal bis zum Mittag so ruhig war dass ich meinen Schreibtisch und teilweise die Schubladen aufräumen konnte. Außerdem war genügend Zeit um ein gemütliches Frühstück mit den Schwestern und meinem obligatorischen 'Sonntags-Dienst-Kuchen' (diesmal ein norwegischer Apfelkuchen) zu verbringen und die Visite in Ruhe zu machen. Das ist ja nicht oft der Fall, oft klingelt das Telefon, und man muß alles stehen und liegen lassen um in die Rettungsstelle zu flitzen.
Am Samstag war Franzi, eine gute Freundin und ehemalige Kommilitonin von mir zu Besuch. Der Elchtopf und das von mir geschenkte "Outdoor-Dinner' für zwei hatte vor einiger Zeit durchschlagenden Erfolg, denn sie ist jetzt im Mutterschutz ;) Auf der Fortbildung im "Lux atrium" der lokalen Sparkasse (he, mal kein englischer Begriff, aber der hätte in diesem Fall auch idiotisch geklungen) waren einige Größen der Kardiologie vertreten, die ich schon auf dem Annaberger Symposium in Annaberg-Buchholz bzw. Oberwiesenthal kennenlernen durfte. Das Thema war ebenfalls Vorhofflimmern, aber Wiederholung kann bekanntlich nicht schaden. Ich bekam allerdings das Gefühl dass auch die älteren Ehrwürdigen die Fortbildungen brauchen - wo können sie sonst noch zwiespältige Fragen stellen die die anderen Referenten in die Zwickmühle bringen oder ihre gesammelten Weisheiten zum Besten geben?
Die Pharmaindustrie war auch in einer 'Industrieausstellung' vertreten, und diesmal war ich nicht so bescheiden wie beim letzten Mal und habe ordentlich zugegriffen. Die Tüte wurde dann von Robert gleich begierig beschnüffelt und ausgeräumt wie ein Weihnachtsgeschenk ... Keine Ahnung was wer sich davon versprochen hatte, aber außer Kugelschreibern und ein paar Pocketcards ist nie etwas wirklich sinnvolles dabei. Uns Klinikärzte braucht der Vertreter auch nicht von der Wirksamkeit irgendwelcher Medikamente zu überzeugen. Wir dürfen sowieso nur das aufschreiben/ansetzen was bei uns 'gelistet' ist und was die Apotheke liefert - und selbst ab einer bestimmten "Preisklasse" der Medikamente (seien es Antibiotika, BTMs oder bestimmte Blutdruckmedikamente) frage ich lieber noch einmal nach ... Die Energie der meisten Damen und Herren ist deswegen meistens vergeblich - die gute Sache dabei ist dass einige doch auch noch an der Vermittlung von Wissen an uns interessiert sind und Weiterbildungen anbieten/sponsern.
Wo war ich eigentlich gerade? Ach ja, bei den Bazillen, die ich gerade gegen den Bildschirm huste ... Nach jeder Menge norwegischer Schokolade, einem Eis von meinem Lieblingsitaliener an der Ecke, deswegen einer Speckrolle mehr und einem ausgelesenen Buch mehr war ich heute wieder auf Arbeit, wo ich feststellen mußte dass ich innerhalb von zwei Tagen die Hälfte der Paienten nicht mehr kannte und die "Zuspätkommkasse" zur Feier des Tages noch einen Speckrollenmacher mehr spendierte. Live is what you make of it, und ich fotografier' den Sonnenuntergang in der sächsischen Provinz und backe portugiesische Croissants - und nehme mir vor diesen müden Körper wieder in Bewegung zu bringen wenn die Erkältung vorbei ist ...
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