Ein freies Wochenende, schönes - was kann es besseres geben als einen Ausflug ins Blaue? Einen geplanten Ausflug natürlich, einen auf den ich mich schon lange gefreut hatte. Endlich sollte es nach Görlitz gehen, mit dem Auto - nach langem hin und her erst am Vorabend so beschlossen. An der Autobahnraststätte kurz vor Görlitz überraschten uns Schneereste bei strahlendem Sonnenschein - den Tag vorher hatte offensichtlich noch geschneit... In der Stadt angekommen folgten wir den Hinweisschildern in das Zentrum und schließlich bis ins Parkhaus des 'CityCenter'. Fünf Euro für einen Tag parken erschien uns nicht teuer, immerhin stand unser Vehikel trocken und relativ sicher. Nach einer ersten Orientierung fand ich schnell den Ausgangspunkt unseres Rundgangs - den Postplatz - und wir folgten akribisch der ausgesuchten Route, wobei ich von meiner Kamera reichlich Gebrauch machte. Der beim letzten Besuch aus einem Impuls heraus gekaufte 'architektonische' Stadtführer erwies sich als gute Wahl, zur Orientierung waren die kleinen Kartenausschnitte völlig ausreichend und so ein Bündel an Fakten war wohl nirgendwo anders zu finden. Hinterher stellte sich heraus, dass eben dieses Büchlein schon eine Weile ausverkauft ist, wohl aus gutem Grund ... Leider mußten wir auch so bald feststellen dass die wirklich interessanten Fakten und Dinge (zum Anschauen) im Inneren der Häuser verborgen lagen. Deckenmalereien, Stuck, Eingangshallen, Treppenhäuser, Wendeltreppen, Säulengange - alles für uns verschlossen. So mußten wir uns mit den - zugegeben beeindruckenden - Fassaden begnügen. Robert mimte den Vorleser (*achtung Anspielung auf gleichnamiges Buch und den Film*) und philosophierte über Jugendstil und Renaisannce. Hm, davon habe ich sowieso keine Ahnung (mehr) - hauptsache es läßt sich auf meinen Kamerachip bannen ... Vom Postplatz ging es unter Mitnahme aller in der Nähe befindlichen Sehenswürdigkeiten (wie das Jugendstilkaufhaus oder die Annenkapelle) zum Ober- und dann über die Brüderstraße zum Untermarkt. Dann folgten wir der Neißstraße.
In der 'Galerie 13' legten wir eine Kaffeepause ein. Es war gemütlich und lecker wie beim vorherigen Mal, nur konnten wir aufgrund der Temperaturen leider nicht draußen auf den Bänlen sitzen. Der Fensterplatz bot aber auch einen schönen Blick auf die Neiße. Der Toilettenbesuch war amüsant wie immer, inzwischen ist sie wieder umgemalert worden, so dass man denkt man sitzt in einer riesigen Baumkrone. Geschirr war immer noch nicht erhältlich, die Haustöpferin konnte sich wohl immer noch nicht zu einer neuen Produktionsphase überreden, so heißt es weiter warten und hoffen dass ich doch einmal dieser schonen Tassen habhaft werde.
Wieder auf Tour wolten wir eigentlich zur Ochsenbastei und ihrer Gartenanlage, aber die ist bis zum ersten April geschlossen. So folgten wir der Kränzelstraße, Handwerk und der Peterstraße zur Peterskirche, in der wir auch einige Zeit verbrachten - alles war gut beschriftet und erklärt, so dass wir einige Zeit damit beschäftgt waren im eisigen Kirchenschiff hin- und herzuwandern. Inzwischen hatten wir auch die eigentlich geplante Strecke verlassen - ich fand es einfacher dem Architekturführer nachzuwandern als dem Vorschlag auf der offiziellen Seite der Stadt im Internet. Die Nikolaistraße ging es hinunter zum Nikolaiturm; dann die Bogstraße eintlang zum Nikolaifriedhof, wo viele alte Gräbr noch relativ gut erhalten sind - meiner Faszination für Grabsteine und alte Gruften kam das gerade recht. Nach einem kurzen Abstecher zum Finstertor und Scharfricherhaus wanderten wir die Langenstraße entlang und dann über den Güner Graben und die Steinstraße zurück zum Postplatz, von wo aus wir die Görlitzer "Flaniermeile" entlangspazierten und von weitem einen Blick auf den Bahnhof warfen. Langsam knurrte uns er Magen, so dass wir Abendbrot essen wollten. Leider mußten wir aber feststellen, dass alle Restaurants etc erst wieder halb oder um sechs öffneten - und es war gerade um fünf ... Was nun? So hungrig wie wir waren wollten wir (auch der Stimmung und des würdigen Abschlusses wegen) gemütlich speisen! Also mussten wir in der aufkommenden Kälte (zum Glück hatten wir Handschuhe und Mütze eingepackt) warten und leifen ein bißchen hin und her. Ein paar Minuten vor um sechs kehrten wir dann in "Zur schwarzen Kunst" ein - damit ist nicht etwa Zauberei gemeint - nein - vom Buchdruck ist die Rede. Das Feuer im offenen Kamin war schon entfacht und wir nahmen auf mit Fellen belegten Holzbänken Platz. Auf die Knoblauchsuppe im Brotlaib serviert hatte ich schon eher ein Auge geworfen, und dazu gab es heißen Met (wir waren wie gesagt durchgefroren) und Rippchen mit Brot. Die Suppe war lecker aber nur lauwarm - wahrscheinlich damit das Brot nicht durchweicht - an dem knabberten Robert und ich ausgiebig bis es fast verschwunden war, und da RObert auch eine Suppe hatte waren wir als der Hauptgang kam (R. hatte Würzfleisch) schon fast satt. Am Ende verließen wir das Lokal mit eingepackten Resten und schleppten uns den Berg hinauf zurück zum Parkhaus. Im Dunkeln sah alles noch einmal ganz anders aus, aber ich war zu geschafft um die Kamera hervorzuholen. Es war ja bestimmt nicht das letzte Mal dass wir in Görlitz waren ...
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