Außer Form

Ein Wochenende mit Dienst später kündigt sich wieder gutes Wetter an. Ein Grund etwas zu unternehmen, aber ich habe doch noch so viel vor! Ein paar Sachen zum Wandern müssen noch eingekauft werden, und ich brauche auch wieder dringend Reis und Pasta vom italienischen Großhandel... Da ich zum Glück im Dienst in der Nacht relativ gut schlafen konnte, brauchte ich am Freitag dann nur bis zwei Uhr um wieder einigermaßen fit zu sein. So fuhren wir zuerst zum Großhandel (mittlerweile kennen wir uns in der Ecke schon besser aus und finden den Weg auch ohne Karte). Da lud ich den Wagen wieder voll mit diversen Pasta-Sorten, Pancetta und Provolone (ein ital. Käse den ich gerne Mal probieren wollte), Parmesan, noch mehr Risotto-Reis, einem neuen Aufsatz für die Nudelmaschine, Limoncello - diesmal konnte ihc der Versuchung nicht wiederstehen - und einer teureren Flasche Weißwein. Da Robert und ich uns überhaupt nicht mit Wein auskennen war bei der gigantischen Auswahl an Sorten die Entscheidung eher nach dem Motto "Welche Flasche macht am meisten her", aber bei dem Preis sollte es nicht möglich sein danebenzugreifen. Danach ging es (wie üblich) erst mit dem Auto zum IKEA um das Auto dort zu parken und dann mit der Straßenbahn in die Stadt. Nach einem kurzen Abstecher zu LUSH und dem Asiaten am Hauptbahnhof (mehr Nudeln und Reis - wo soll ich die ganzen Vorräte eigentlich noch lagern?!) ging es dann zum Globetrotter. Die Bestellung der Woche vorher hatte nur Enttäuschungen ergeben, die Passformen der bestellten Kleidungsstücke passten eher zu durchtrainierten Marathonläufern als zu uns Durchschnittsausflüglern. Die Kleiderstange wurde also hoch und runter probiert bis nach vielen erschrockenen Blicken in den Spiegel der Umkleidekabine doch noch passende Sachen für die geplante Wandertour gefunden waren.


Am nächsten Tag war ich ganz froh über den Neukauf, denn die Bluse war so atmungsaktiv dass bei der Hitze wenigstens nicht der Schweiß in Strömen herunterlief. Früh waren wir noch bei frischen 13 Grad gestartet - ein bißchen schon ins Schwitzen gekommen nach einem flotten Lauf zum Bahnhof.In Coswig stigen wir dann in die S1 um, wodurch wir auch einen guten Sitzplatz hatten, als am Hauptbahnhof die Menschenmassen in den Zug einfielen - von riesigen Austauschstudentengruppen (es waren auch Norweger dabei, der Klang der Sprache war mir dann soch sehr bekannt) bis zu Kleinfamilien mit Trekking-Kampfausrüstung. Die Meisten stiegen in Rathen und Wehlen aus, aber auch in Schmilka verließen einige den Zug, so dass die Fähre über die Elbe recht voll war. Die Grüppchen zerstreuten sich dann rasch, und Robert und ich ließen auf dem ersten Anstieg doch einige hinter uns liegen. Bald kamen wir ordentlich ins Schwitzen, außerdem stellte sich heraus dass unsere Wegbeschreibung aus dem Outdoor-Magazin trotz zusätzlich gekaufter Karte doch sehr zu wünschen übrig ließ. Die Rotkehlchenstiege fanden wir trotzdem, aber da fingen die Probleme an. Ich bin ja nicht besonders höhensicher, und bei steilen Kletteraufstiegen mit nur ein paar Wurzeln und eingetretenen Kuhlen im Stein wurde mir ganz schön schummrig. Die teilweise eingelassenen Griffe waren schon eine Hilfe, aber teilweise mußten wir uns in den Fels krallen, die Knie bis zur Nasenspitze hochziehen und die Hosennähte bis an die Belastungsgrenze strapazieren. Nach diesem Aufstieg hatten wir uns wirklich die Hände schmutzig gemacht, der Dreck machte sich nachher besonders gut beim Einschmieren mit der Sonnencreme ... Ein paar Mal ließen wir andere Wanderer vor - der Weg erinnerte zwar ein bißchen an norwegische Verhältnisse, aber die Maße an Abgeschiedenheit und Stille wurden leider nicht im geringsten erreicht.


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Nach einer Pause auf dem Carolafelsen war ging die Wanderung gemütlich auf breiten und schattigen Waldpfaden weiter Richtung großer Winterberg. Der Anstieg auf den Berg selbst war noch einmal luftraubend, und die Gaststätte dort so überfüllt, dass Robert gerne auf sein Radler verzichtete und wir weiter zum nächsten Aussichtspunkt liefen. Bilder habe ich dort auch nicht gemacht, da das Wetter den ganzen Tag diesig war und die Sicht trotz Sonnenschein nicht berauschend. Ich habe außerdem auch nicht gerne Menschen im Bild ;) An der Grenze zur Tschechei ging es eine asphaltierte Straße zurück nach Schmilka, und unsere wunden Knie schrieen nach einer Weile nach weichem Waldboden. Hinter uns eine aufgedrehe Rentnerschar liefen wir schließlich auf einem alten gepflasterten Weg ins Dorf zurück wo ich noch einmal das Pech hatte umzuknicken. Dank der guten Wanderstiefel gab es nur einen kurzen stechenden Schmerz aber keinen Bänderriß. Wir waren trotz festgestelltem Konditionsmangel gut in der Zeit geblieben und hatten trotz Pausen sogar eine Stunde weniger als veranschlagt gebraucht. Im Zug zurück machte sich die Anstrengung aber bemerkbar - ich wollte nur noch schlafen ... Auf dem Hauptbahnhof hetzten wir nochmal schnell zum Asiaten - da hatte ich beim letzten Besuch Rhabarber erspät, den ich zu einem leckeren Kompott verarbeiten wollte. Da wir zum Bahnhof gelaufen waren kamen wir auf dem Rückweg nach Hause zwangsläufig an unserer Hauseisdiele vorbei, wo wir uns zum krönenden Abschluß des Tages einen Joghurt-Eisbecher gönnten.


Hier noch einen kleinen Gruß an Franzi, Thomas und Ulli mit denen wir am Tag darauf sehr gemütlich italienisch brunchen waren - vielen Dank für den schönen Tag mit Euch zusammen. Die Krabbeldecke ist bestellt ...

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