Tierarztpraxen sind ein Mikrokosmos für sich. Studien über Mitmenschen und ihre Haustiere offenbaren manchmal genauso viel wie der Inhalt eines Einkaufswagens. Da sich unsere Schweinebande wohl gerade Milben eingefangen hat, mußten wir heute den Tierarzt aufsuchen, für mich wohl genauso stressig wie die Tierchen, als waschechter Mediziner befindet man sich selbst nur ungern in einer Arztpraxis, und sei es nur für seine Haustiere. Spannend wir es schon wenn die Sprechstundenhilfe nach dem Namen der Tiere fragt - da muss man schon mal buchstabieren, zum Glück haben die Hundebesitzer immer einen Impfpaß, da kann man abschreiben ...
Da sage ich nur: Nomen ist Omen. Die Namen meiner Schweine sind dem Aussehen und dem Charakter nach ausgesucht: Flocke ist sprunghaft und optisch halt wie eine Flocke, Cookie braun und zuckersüß; und Tinka halt behäbig und moppelig ein bißchen wie ein 'Bauerntrampel'. Aber wer jetzt meint, das sei bei allen Tieren so, weit gefehlt. Hier ein paar Beispiele. Nach uns betrat Willi mit Herrchen die Praxis, ein gealtertes Exemplar der Caesar-Werbung. Willi war wirklich dick, er beschnupperte und bestieg dann unaufgefordert die im Wartezimmer aufgestellte Waage welche 9,4 kg anzeigte. Das Herrchen dazu war ein älterer Herr in blauer Wattejacke mit einer sehr weit verbreiteten 'Opa-Mütze' Typ Eisenbahner auf dem Kopf. Dann kam Amanda, ein noch dickerer Cockerspaniel, der nur so keuchte und röchelte und sich vor allen anderen Hunden zu fürchten schien; und zur Krönung wurde zum Schluß 'Sophie' in den Raum getragen (ungelogen!), eine wirklich fette undefinierbare dackelartige Promenadenmischung, wahrscheinlich das doppelte an Gewicht von dem was sie wiegen sollte. Zuerst dachte ich ja der arme Hund hat sich was geatn, aber dann war mir klar warum er so fett war ... wenn er immer nur getragen wird ... Auf die Gestik und Mimik der Tierbesitzer-Ehepaare will ich gar nicht erst eingehen, aber wer mal Zeit hat, sollte sich einfach mal in eine Tierarztpraxis setzen, spannender als Kino. Zum Abschluß dieses Themas ein Foto von Tinka in ihrer Lieblingsposition, beim dösen, die so manchen Gemütszustand einiger Zeitgenossen versinnbildlichen könnte (oder auch den Drogen machen gleichgültig - Ist mir doch egal-Spruch, wobei ich betonen möchte dass meine Schweine nur handelsübliches Heu bekommen).
Übrigens: Unseren Weihnachtsbaum hat Robert gestern fein säuberlich in Stücke gesägt. Er wartet jetzt bis zum alljährlichen Angrillen Anfang Februar auf seine feierliche Feuerbestattung.
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