Zugegebenermaßen fand ich Stricken immer total langweilig. Im Handarbeitsunterricht habe ich es sogar gehasst - weil mir ständig die Maschen von der Nadel fielen und das Ganze so eeeewig lange dauerte. Die Strickmagazine die es gab, waren auch altbacken, keines der Dinge da hätte ich je nachstricken wollen. Meine Einstellung zum Stricken änderte sich allerdings kurz nach meinem zweiten (Nach-Au-Pair) Besuch in Norwegen. Ein bißchen hatte ich Sehsucht zurück, und was hilft dagegen besser als ein Stück Erinnerung in den Händen zu halten (oder zu tragen)? Jeder traägt dort im Winter die typischen Norweger-Handschuhe, egal ob elegant angezogen oder nicht (eine der mir lieben Traditionen). Solche Handschuhe wollte ich natürlich auch haben. Die Fertigen aus dem 'husfliden' kosten aber ein vermögen, also wurde ein Magazin mit Strickanleitungen gekauft, das kostete auch nur zehn Euro. Aber wer sollte dies Handschuh stricken? Zum Glück gab es Mutti ... Die Wolle kam von glücklichen Pommerschen Schafen, deren schöne Wolle ich im Urlaub an der Mecklenburger Seenplatte in einem kleinen Schäferladen in Hullerbusch erstanden hatte.
Es dauerte eine Weile, bis ich dann auch die Anleitung für meine Mutter übersetzt hatte, und letzten Winter waren die Handschuhe dann fertig. Von der Wolle war noch etwas übrig, und ich überlegte, was ich wohl davon machen (lassen) sollte.
Irgendwie geriet ich dann auf die Seite von Drops Design (ein überaus glücklicher Zufall). Diese Seite war so komplett anders als alles andere was ich zuvor gesehen hatte und änderte meine Meinung über das Stricken komplett. Ich fand so viele schöne Modelle, unter andrem auch Strümpfe und Strickjacken, dass ich unglaublich Lust bekam selbst zu stricken - besonders das Modell einer Baskenmütze mit Norwegermütze. Meine neue Leidenschaft gipfelte dann darin dass mir Robert ein Buch übers Stricken zu Weihnachten schenkte (siehe hier), welches ich wirklich empfehlen kann Nachdem es durchgearbeitet war konnte ich es gar nicht erwarten loszulegen.
Im Winterurlaub dann begann ich mit der Arbeit. Im Bus Richtung Fähre nahm ich die ersten Maschen auf. Im Laufe der Woche wuchs das Strickstück immer weiter, und schließlich vollendete ich kurz nachdem wir zurückgekommen waren die letzten Maschen.
Seitdem habe ich keine Hemmungen mehr was die Modelle angeht, ein paar mal habe ich schon einige Versuche wieder auftrennen müssen, aber das schreckt mich nicht ab. Die nächste Mütze wurde im Sommerurlaub fertiggestellt, ein Dreieckstuch im Urlaub im Oktober und ein Bolero Stück für Stück beim Fernsehen. Dabei musste ich sogar häkeln (die Kanten), und auch dabei habe ich mich nicht dumm angestellt - die Sachen sehen wirklich so aus wie auf den Bildern ;)
Zwischendurch kamen noch eine Babywickeljacke und eine Babyhose (für das Kind einer Freundin) dazu. Nur die Fingerhandschuhe mit Norwegermuster für Robert, die aus dem erneuerten Vorrat an pommerscherWolle entstehen sollen, werden wohl diesen Winter nicht fertig werden - Finger zweifarbig stricken macht keinen Spaß - aber es versetzt mich in einen anderen Gemütszustand da ich mich auf etwas ganz anderes konzentrieren muss - wie beim Yoga (nur der Kalorienverbrauch ist leider weniger). Es ist ein schönes Gefühl, etwas selbst gemacht zu haben. Die nächsten Profekte sind schon geplant ...
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