Hyttetur Tydal Teil 3

Den nächsten Morgen verschliefen wir glatt - dafür waren wir aber ein bißchen schneller was das packen und putzen anging, so dass wir die Hütte nur wenig später als am Vortag verließen. Diesmal hatte Robert unser heiles Paar Stiefel an und ich meine Wanderschuhe. Der Weg kam uns noch feuchter und rutschiger vor als zwei Tage zuvor. Der Sturm vom Vortag hatte sich nicht gelegt; und es war wärmer und schwüler. Gegen Mittag erreichten wir das Auto und es ging erst einmal nach Ås zum tanken und einkaufen. Anstatt brauner Brühe gab es für Robert violette Fanta zu trinken und Stratos Luftschokolade, was seine Laune erheblich besserte. Außerdem kauften wir eine Flasche Wasser. Gleich gegenüber der Tankstelle und des Supermarktes ging die (mautpflichtige) Straße zum Stoerikvollen bzw. zur Ramsjøhytta ab. Bald wurde aus der Straße ein Dreckweg für gerade mal soviel Platz, dass zwei PKWs aneinander vorbeipassten. Der Weg schlängelte sich in Kurven nach oben und schien kein Ende zu nehmen. Schließlich erreichten wir doch noch den "Sommerparkplatz" (sprich ein kleiner Platz neben dem Weg wo nichts wuchs) und machten uns startklar. Zur Motivation gab es 'Smurte Lefser' mit Zimtfüllung und reichlich sauberes Wasser aus der Flasche.

Die ausgelegten Planken machten uns optimistisch, aber diese Phase dauerte nicht lange. Nach der Überquerung einer mehr als instabil aussehenden Brückenkonstruktion war auch Schluß mit Planken. Robert blieb nach ein paar hundert Metern gleich mal im Schlamm stecken. Also noch mehr Umwege laufen um nicht im Dreck zu versinken ... Zum Glück waren die Steigungen nicht allzu steil, der Pfad dafür umso schmaler, überwucherter oder manchmal gar nicht vorhanden. Wir waren glücklich überhaupt die tief im Morast steckenden Holzstäbe mit dem roten Punkt zu entdecken. Der Wind wurde immer stärker - es war genaugenommen schon Sturm und brachte uns aus dem Gleichgewicht. Da mußte besonders ich aufpassen an den steilen nassen Grasshängen mit dem Gewicht auf dem Rücken nicht bei einer Böe zu straucheln und abzurutschen. Wir mußten einige kleinere Bäche kreuzen wobei wir wieder auf Rentiere trafen. Dann standen wir vor einem breiteren Flüßchen. Die markierte Stelle schien zum Überqueren nicht geeignet zu sein - die Steine lagen teilweise unter Wasser und lagen auch sehr weit auseinander. Weiter flußabwärts fand sich eine Stelle die zum Waten mit den Stiefeln flach genug erschien. So trug Robert die Rucksäcke zuerst and andere Ufer und warf mir dann die Stiefel zu, damit auch ich einigermaßen trockenen Fuße hinüberkam. Das kostete natürlich jede Menge Zeit ... Das letzte Stück war noch einmal besonders schlammig - über die letzte Flußquerung war glücklicherweise eine "Brücke" gebaut, so dass wir das Stiefel-Spiel nicht noch einmal wiederholen mußten.

Obwohl die Hütte doppelt so groß war wie die erste und auch viel häufiger frequentiert wird, war kein Mensch da - wir waren wieder allein. Es gab einen separaten Teil mit den Zimmern, bis auf eins alle für 4 Personen. Im selben 'Trakt' gab es auch einen separaten Ofen in der Waschecke und vielen Trockenleinen. Der Aufenthalsraum/Küche war größer und mit mehr Sachen ausgestattet - sogar einen zweiten Gaskocher und zwei Thermoskannen zum Wasser warmhalten gab es. Die beiden Wassereimer waren ebenfalls dementsprechend größer; so mußten wir nicht so oft Wasser holen. Das kam diesmal aus dem glasklaren See, eine wirkliche Verbesserung zu vorher ... Während Robert angestrengt versuchte die beiden Öfen in Gang zu bekommen (es war ein etwas ungleicher Kampf gegen den Wind im Schornstein) machte ich noch einen kleinen Rundgang. Zum Abendbrot gab es leckeres Tikka Masala mit Hühnchenfleisch (aus der Dose) und Reis. Im Laufe des Abends gab es dann noch Kakao und Tee; und beim ersten Kerzenschein stellten wir schnell fest dass die Hütte schief stand - bei dem begrenzten Lichtradius fehlten ja ein paar optische Informationen - und wir merkten dass es zu einer Seite merklich abwärts ging.
Der nächste Morgen brachte endlich ein wenig Sonne. Ich wollte gerne vor dem Rückweg zum Auto noch versuchen ein Stückchen auf den Lauvåstøten zu klettern und ein paar Fotos schießen. Robert hatte von den etwas zu engen Stiefeln gehörige Blasen davongetragen und wollte lieber alles zum Verlassen der Hütte fertig machen. Also krabbelte ich rund anderthalb Stunden am Hang hoch und runter (nicht ganz nach oben, das war mir dann doch zu steil) und lief entlang des Sees wieder zurück.
Der Rückweg ging schneller als gedacht - wir schafften ihn in genau zwei Stunden (die Zeit wie sie auch im Führer angegeben war). Diesmal hatte ich keine Lust immer um die feuchten Stellen herum zu laufen und wählte den Weg manchmal etwas 'radikaler'. Auch die komplizierte Flußquerung ging einfacher als gedacht - ein Herz gefasst und mit großen Schritten über die Steine ...


Da wir noch ein wenig Zeit hatten entschlossen wir uns der Straße weiter zu folgen und uns noch den Finnkoisjøn anzusehen. Inzwischen hatte sich die Sonne aus den Wolken hervorgekämpft, so dass wir am See und auf dem Rückweg noch ein paar schöne Bilder schießen konnten und die Stimmung auf der Fahrt genießen. Kurz nach um vier waren wir wieder in Reppe am Haus und ich hatte gerade noch soviel Zeit mich zu duschen, umzuziehen und eine Kleinigkeit zu essen bevor ich zum Sprachkurs los mußte.

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