An alle die dachten ich habe (weil keinen Dienst) die letzten Tage ordentlich ausgespannt: Nö! Am Mittwoch und Donnerstag habe ich mich fortgebildet, und zwar auf der Tagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft in Leipzig. Da ich am Donnerstag schon auf eine Veranstaltung wollte die um acht begann mußte ich sogar um fünf aufstehen. Ein bißchen enttäuscht war ich schon was am Ende "hinten raus" kam. Viele Sachen kannte ich bzw sie waren mir nicht fremd, so dass alles eher eine mehr oder weniger spannende Wiederholung war. Einige Dinge waren neu und interessant, aber ohne Konsequenz. Warum? Weil sich alle Welt auf Kongressen immer hinter Studien versteckt und gerne im Konjunktiv redet. Für mich als jemanden, der in der Klinik arbeitet und nur das aufschreiben darf, was auch "gelistet" ist, das heißt ein Medikament was wir uns liefern lassen dürfen, sind das alles schöne Luftblasen. Die Pharmaindustrie und ihre Referenten werben für ihre Produkte (was manchmal nicht unberechtigt ist, denn sie sind gut), aber ich darf sie nur in Ausnahmefällen verwenden. Ich bleibe zurück mit meinen praktischen Fragen - jeder behauptet sein Insulin wäre das Beste usw - aber wie soll ich das beurteilen geschweige denn umsetzten können wenn mir die Erfahrung in der Einstellung fehlt? Daran denkt keiner, alle schweben in den Wolken. Die Professoren machen aus Fragerunden persönliche Diskussionen um Details, die dem Zuhörer ein Rätsel belieben und er sich fragt, warum sie das nicht hinter ihren riesigen Schreibtischen austragen können ...
Als Entschädigung gab es jede Menge Goodies - Taschen, Kulis, Klebezettel, Prospekte, Schreibblöcke und an den Ständen Essen und Trinken umsonst (na gut, ein Ohr mußte man dem einen oder anderen Vertreter schon leihen). Soviel Latte macciato an einem Tag habe ich noch nie getrunken. Außerdem wundert es mich, dass es auf einer Tagung wo es um Diabetes geht so viele Süßigkeiten gibt ... vermutlich der Versuch neue Kunden zu züchten ... und wir alle sollten es doch viel besser wissen ... Freitag mußte ich arbeiten und habe gleich wieder eine Überstunde gemacht - ich hätte gerne meine Kollegen einen Kopf kürzer gemacht weil kein einziger Entlassungsbrief geschrieben war, aber selbst dazu hatte ich keine Zeit.
Heute der Versuch, die Mohnbüte in voller Pracht zu forografieren. Nur leider war die Natur gegen mich: Ständig Windböen, Gegenlicht und andere Widrigkeiten. Es ist mal wieder der Wurm drin. In der nächsten Woche erwarten mich drei Dienste; und ich frage mich ob ich werde jemals ausschlafen können...
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